🕯️ Samhain – Zwischen Erinnerung und Gegenwart

Morgennebel über einer Wiese am Waldrand.

Ich laufe morgens mit Erna durch unseren Lieblingswald. Der Nebel wabert über die Felder und dringt auch ein bisschen auf den Waldweg vor. Ich schaue Erna an und denke, wie schön es doch ist, sie hier bei mir zu haben. Der Herbst ist jetzt endlich angekommen.

Mit Samhain erreichen wir einen besonderen Zeitpunkt im Jahreskreis. Es gilt als Fest der Ahnen und ist mit der Vorstellung verbunden, dass der Schleier zwischen unserer Welt und der Anderswelt in dieser Nacht besonders dünn ist.

Auch die Natur verändert sich jetzt deutlich. Die Bäume verlieren langsam ihre Blätter, und die verbliebenen haben sich bereits gelb, orange und rot gefärbt. Für mich sind das die typischen Farben von Samhain.

Bei den Waldspaziergängen mit Erna nehme ich diese Veränderungen besonders bewusst wahr. Die Natur zieht sich immer mehr zurück, und auch das Grün der Pflanzen wirkt inzwischen blasser. Was ich an diesen Spaziergängen besonders liebe, ist die Waldluft. Der Geruch von feuchtem Waldboden, ein wenig Pilzgeruch und manchmal auch etwas Modder, wenn die heruntergefallenen Blätter langsam verwittern.

Für mich beginnt jetzt immer mehr die Zeit der Gemütlichkeit und Entschleunigung. Das Wetter wird ungemütlicher, wobei das natürlich auch immer Ansichtssache ist. Aber ich liebe es, mich mit einer Decke und einem guten Buch auf die Couch oder in einen gemütlichen Sessel zurückzuziehen, während eine Duftkerze brennt.

Gleichzeitig werde ich in dieser Jahreszeit immer ein wenig nachdenklicher. Auch das gehört für mich persönlich zu Samhain.

An Samhain gibt es ein paar Rituale, die für mich eine besondere Bedeutung haben. Eines davon ist, beim gemeinsamen Abendessen ein zusätzliches Gedeck auf den Tisch zu stellen.

Wobei es bei mir tatsächlich kein Gedeck ist, sondern ein kleiner Hundenapf. Und bevor jetzt die Frage kommt, warum der Napf auf dem Tisch steht und nicht auf dem Boden: Ganz einfach, die Versuchung wäre für Erna viel zu groß. Das muss ja nicht sein.

Ich fülle den Napf mit ein bisschen Hundefutter oder einem schönen Leckerchen, je nachdem, wonach mir gerade ist. Dort bleibt er bis zum nächsten Morgen stehen, als Erinnerung an unseren verstorbenen Hund Watson.

Watson ist mit gerade einmal fünfeinhalb Jahren viel zu früh von uns gegangen. Umso dankbarer bin ich, dass Erna und er noch ein wunderschönes gemeinsames Jahr miteinander verbringen durften. Wenn ich daran denke, bin ich manchmal traurig, erinnere mich aber auch gerne an diese gemeinsame Zeit. Und ich bin froh, dass Erna heute noch an meiner Seite ist.

Ein weiteres Ritual, das ich sehr mag, ist das Anzünden einer Kerze. Einfach dasitzen, die Ruhe genießen und das Flackern der Flamme beobachten.

Dabei komme ich oft ins Nachdenken und beginne, meine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Waren sie richtig? Bereue ich etwas? Würde ich manches heute anders machen?

Allerdings geht es mir dabei nicht unbedingt darum, meine Entscheidungen im Nachhinein zu verurteilen. Vielmehr möchte ich mit meiner Vergangenheit Frieden schließen. Ändern kann ich sie ohnehin nicht mehr, und vieles würde ich heute auch gar nicht anders machen. Aber es gibt eben auch Dinge, die mich noch beschäftigen und mit denen ich meinen Frieden erst finden muss.

Lodernde Flammen in einem Feuerkorb bei Dunkelheit

Wenn das Wetter es zulässt, mache ich abends außerdem gerne ein kleines Feuer im Garten. Ich bin ohnehin ein großer Fan von Feuern im Freien, egal ob im Feuerkorb oder am Lagerfeuer.

Dabei genieße ich vor allem die gemeinsame Zeit mit meinem Mann. Wir sitzen zusammen am Feuer, spüren die wohlige Wärme und lassen den Abend ganz in Ruhe ausklingen.

Für mich ist Samhain eine Zeit, in der ich bewusster über meine Vergangenheit und meine Erinnerungen nachdenke. Darüber, was ich bewahren möchte und womit ich vielleicht irgendwann meinen Frieden schließen kann.

Dabei liegen Traurigkeit und Dankbarkeit manchmal ganz nah beieinander. Und vielleicht muss ich auch gar nicht jede schmerzhafte Erinnerung loslassen. Manche dürfen bleiben, auch wenn sie manchmal wehtun.

Zwischen Licht und Schatten. ☀️ Dies et Umbra