Eigentlich hatte ich nie vor, ein Buch zu schreiben.
Nicht, weil mir die Themen oder Gedanken dafür fehlten, sondern weil ich es mir schlicht nicht zugetraut habe. Schon früher bekam ich immer wieder zu hören, mein Deutsch sei zu schlecht und ich könne so etwas ohnehin nicht. Solche Aussagen bleiben hängen. Und manchmal begleiten sie einen noch sehr viel länger, als man möchte.
Trotzdem liegt heute mein erstes eigenes Buch vor mir. Und so richtig begreifen kann ich es noch immer nicht.
Am Anfang stand die Neugier
Die Jahreskreisfeste begleiten mich schon eine ganze Weile. Im Laufe der Zeit haben sich bei mir einige Bücher darüber angesammelt, in denen ich immer wieder gelesen und nach Informationen gesucht habe.
Doch irgendwann reichte mir das nicht mehr.
In einem meiner Bücher fand ich zwar viele Informationen, aber sie wirkten auf mich oft ungeordnet. Ich hätte mir eine andere Zusammenstellung gewünscht, etwas, das mir dabei hilft, die einzelnen Feste und ihre Hintergründe besser zu verstehen.
Also begann ich, im Internet weiterzusuchen.
Je mehr ich las, desto häufiger begegnete mir allerdings etwas, das mich zunehmend störte: die Vorstellung, dass man die Jahreskreisfeste nur auf eine bestimmte Weise feiern dürfe.
Hier sollte man dieses Ritual durchführen, dort unbedingt jenes beachten. Bestimmte Dinge sollte man auf keinen Fall auslassen. Und unterschiedliche Traditionen miteinander zu verbinden, schien für manche ohnehin ausgeschlossen.
Ich fragte mich immer wieder: Warum eigentlich?
Wer legt fest, dass ich nicht verschiedene Elemente miteinander kombinieren darf? Wo steht geschrieben, dass es nur einen richtigen Weg gibt, ein Fest zu feiern?
Natürlich haben Traditionen ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Hintergrund. Gerade deshalb wollte ich mehr darüber erfahren. Aber ich konnte nicht nachvollziehen, warum daraus zwangsläufig Vorschriften für die eigene Gestaltung entstehen sollten.
Für mich war und ist der Jahreskreis etwas, das Raum für persönliche Erfahrungen lassen darf.
Von den ersten Notizen zum Manuskript
Wann genau aus meiner Recherche die Idee entstand, ein eigenes Buch zu schreiben, kann ich heute gar nicht mehr sagen.
Es gab keinen besonderen Augenblick, in dem ich beschloss, Autorin zu werden. Eigentlich hatte ich diesen Gedanken lange von mir ferngehalten.
Als ich schließlich mit dem Schreiben begann, wusste ich zunächst überhaupt nicht, wie ich anfangen sollte.
Ich hatte so viele Gedanken und Informationen gesammelt, aber sie in eine verständliche Reihenfolge zu bringen und daraus einen zusammenhängenden Text zu machen, fiel mir schwer.
Was mir schließlich half, waren Fragen.
Ich begann damit, einzelne Fragen zu den Festen zu beantworten, zunächst nur in Stichpunkten. Daraus entstanden nach und nach längere Texte. Ich konnte meine Gedanken ordnen, mich mit einzelnen Themen beschäftigen und musste nicht sofort einen fertigen, schön formulierten Abschnitt vor mir haben.
Diese Vorgehensweise nutze ich inzwischen auch für meine Blogbeiträge.
Leicht war es trotzdem nicht immer. Die alten Zweifel waren noch da. Und sie sind ehrlich gesagt auch heute nicht vollständig verschwunden.
Ein Buch entsteht nicht an einem einzigen Tag
Wenn ich an die Arbeit an meinem Buch zurückdenke, gibt es nicht den einen Moment, den ich als den schönsten bezeichnen könnte.
Vielmehr waren es die vielen Etappen, in denen ich merkte, dass wieder etwas fertig geworden war.
Zuerst war die Recherche abgeschlossen. Dann die ersten Rohfassungen. Es folgte die erste Überarbeitung, danach die nächste und schließlich die abschließende Korrektur.
Mit jedem dieser Schritte wurde aus der ursprünglichen Idee ein Stück mehr ein richtiges Buch.
Irgendwann stand auch das Cover fest. Ich lud die Dateien zum ersten Mal bei Amazon KDP hoch und war erleichtert, als sie ohne Beanstandungen angenommen wurden.
Und dann kam der erste Probedruck.
Plötzlich hielt ich etwas in den Händen, das vorher nur aus Dateien, Texten und Bildern auf meinem Bildschirm bestanden hatte.
Trotzdem war die Arbeit noch nicht ganz abgeschlossen. Es folgten weitere Korrekturen, die endgültige Fassung und schließlich der letzte Probedruck.
Heute ist alles fertig.
Ein Satz, der sich für mich noch immer etwas merkwürdig anfühlt.
Und jetzt?
Seit dem 31. Oktober 2026 ist Im Zwielicht des Jahres – Die Jahreskreisfeste zwischen alten Spuren und eigenen Wegen als Taschenbuch und eBook erhältlich.
Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, können mein Buch kaufen und lesen.
Und ich sitze hier und kann es noch immer nicht richtig glauben.
Vielleicht liegt es daran, dass mich dieses Projekt so lange begleitet hat. Vielleicht auch daran, dass die Zweifel, ob ich überhaupt gut genug schreiben kann, nicht einfach mit der letzten Korrektur verschwunden sind.
Ich weiß es nicht.
Aber ich freue mich darüber, dass ich dieses Buch tatsächlich zu Ende gebracht habe.
Was ich mir für die Menschen wünsche, die es lesen?
Vor allem, dass sie Freude an den Jahreskreisfesten haben. Dass sie sich mit den verschiedenen Überlieferungen und Bräuchen beschäftigen, Dinge ausprobieren und für sich selbst herausfinden, wie sie die einzelnen Feste begehen möchten.
Vielleicht entdecken sie dabei auch einen neuen Zugang zu sich selbst.
Es muss nicht alles nach einem bestimmten Muster geschehen. Niemand muss jedes Ritual durchführen oder jedes überlieferte Element übernehmen. Und wer unterschiedliche Traditionen miteinander verbinden möchte, sollte sich zumindest fragen dürfen, warum das angeblich nicht möglich sein soll.
Für mich bleibt deshalb ein Gedanke besonders wichtig:
Alles darf, aber nichts muss.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum aus meiner ursprünglichen Neugier irgendwann dieses Buch geworden ist.
Zwischen Licht und Schatten.
☀️ Dies et Umbra