
Ich laufe an der Straße entlang und sehe unter einer alten Eiche eine große Sonnenblume stehen, die sich sanft im Wind bewegt. Für einen Moment bleibe ich mit dem Blick an ihr hängen und stelle fest, dass sie bereits verblüht ist und längst nicht mehr so leuchtet wie noch vor einigen Wochen. Genau in diesem Moment wird mir bewusst: Der Sommer geht langsam zu Ende, der Herbst beginnt – und wir feiern Mabon.
Die Natur und auch die Atmosphäre haben sich inzwischen deutlich gewandelt. Draußen ist es windiger geworden, die ersten Blätter färben sich oder fallen bereits von den Bäumen. Auch die Temperaturen sind spürbar gesunken, selbst wenn es zwischendurch noch einzelne warme Tage gibt. Gleichzeitig werden die Tage kürzer, morgens bleibt es länger dunkel und die Sonne wirkt längst nicht mehr so kräftig wie noch im Sommer.
Der Wandel zeigt sich inzwischen auch in den Farben der Natur. Vieles wirkt bereits etwas gedämpfter, auch wenn es noch einzelne kräftige Farbtupfer gibt. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich zum Beispiel noch das leuchtende Rosa einer Rose im Beet. Gelegentlich fällt mir auch noch ein intensiv gefärbter Sonnenhut auf. Gleichzeitig verändern sich die Düfte. Im Wald nehme ich jetzt immer häufiger diesen typischen Geruch nach feuchtem Boden wahr. Und für mich gehört zu dieser Zeit ganz automatisch auch der Duft von Apfel, Zimt und Kürbis.

Für mich steht Mabon vor allem für Wandel, Rückzug und Dankbarkeit. Und genau das spüre ich in dieser Zeit besonders deutlich. Ich mag den Herbst sehr, weil sich vieles automatisch etwas verlangsamt. Draußen ist es nicht mehr so warm, aber auch noch nicht richtig kalt, und plötzlich fühlt es sich wieder gut an, sich mit einer Decke auf die Couch zu setzen, einen Tee zu trinken und ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Dazu kommt, dass für mich jetzt ganz eindeutig die Zeit für Suppen beginnt – und Kürbissuppe schmeckt mir bei diesen Temperaturen einfach noch einmal besser.
Wenn ich mir jetzt meinen kleinen Mabon-Altar gestalte, würde ich als Bodengrund einen eher blassen Gelbton wählen. Als Mittelpunkt käme für mich eine Sonnenblumenblüte infrage – vielleicht hat man noch Glück und findet eine, die noch nicht vollständig verblüht ist. Links und rechts davon würde ich jeweils einen kleinen Thymianzweig legen, sodass die Sonnenblume von beiden Seiten eingerahmt wird. Bei der Kerzenfarbe würde ich diesmal bewusst einen Kontrast setzen und eine lilafarbene Kerze wählen, die sich schön von den gelb-orangenen Tönen der Blüte abhebt. Wenn ich noch Edelsteine dazu legen möchte, würde ich ein oder zwei kleine Mondsteine nehmen. Mein Fokus läge diesmal aber ganz klar auf der großen Sonnenblumenblüte.
Gerade im Herbst und zu Mabon mache ich besonders gerne einen Waldspaziergang. Wenn der Wind durch die Bäume zieht, habe ich manchmal das Gefühl, dass er mir die Gedanken und Sorgen ein Stück weit aus dem Kopf bläst. Genau darin liegt für mich etwas von dem Loslassen, das ich mit dieser Zeit verbinde. Der Sommer ist vorbei, der Herbst beginnt und das Jahr ist bereits weit fortgeschritten. Oft frage ich mich dann, wie schnell die vergangenen Monate wieder verflogen sind. Umso wichtiger ist es für mich, bewusst langsamer zu werden, innezuhalten und mir etwas mehr Ruhe zu erlauben. Vielleicht ist genau das für mich Mabon: der Moment, in dem Rückzug sich plötzlich nicht mehr, wie ein Verzicht anfühlt, sondern genau richtig.
Zwischen Licht und Schatten
☀️ Dies et Umbra